bz Basel vom 21.10.2026
Yannick Marchand spricht über seine Rolle beim FC Basel, Pläne abseits des Platzes und Xherdan Shaqiri.
Gian-Luca Rizzi
Beobachtende rieben sich verwundert die Augen. Wegen des Spielstandes, aber auch wegen des Mannes, der in der 73. Minute zur Einwechslung bereitstand: Yannick Marchand. Für Xherdan Shaqiri kam der defensive Mittelfeldspieler gegen den FC Winterthur ins Spiel – und ging mit seinen Mitspielern auf der Schützenwiese mit 3:7 unter.
Seit Mitte August ist Marchand wieder beim FC Basel, sein Einsatz im Test gegen den Challenge-Ligisten war gar nicht so angedacht, wie er verrät: «Während der Länderspielpause fehlten Spieler in der ersten Mannschaft, und ich wurde kurzfristig für die Partie aufgeboten. Ich habe die Zeit auf dem Platz genossen, auch wenn ich natürlich gewinnen wollte. Eigentlich kam ich aber nach Basel zurück, um für die zweite Mannschaft aufzulaufen.»
Bei ebendieser weht ein ganz anderer Wind als beim Testspiel in Winterthur. Seit seiner Rückkehr kommt Marchand auf fünf Einsätze in der Promotion League. In drei Partien erzielte er je einen Treffer. Für den FCB gab es aus diesen Spielen sieben Zähler. Beim 2:0-Sieg gegen die zweite Mannschaft der Young Boys war der defensive Mittelfeldspieler für den Führungstreffer verantwortlich, gegen den Leader aus Biel traf er zum 2:2-Endstand, und beim 3:1 gegen den FC Bavois glich er die Partie in der 74. Minute aus. Zu seinem Comeback sagt er: «Es fühlt sich vertraut an und erfüllt mich mit Stolz, dieses Trikot wieder tragen zu dürfen.»
Dass Yannick Marchand sofort eine Leaderrolle im Team übernimmt, war so vorgesehen. «Ich bin zwar noch nicht so alt, aber die FCB-U21 ist in dieser Saison eine sehr junge Mannschaft. Es gibt noch zwei Spieler im Kader, die älter sind als ich», ergänzt Marchand. Zwei dieser drei ältesten Spieler wurden auf diese Saison hin verpflichtet. Neben ihm stiess ein zweiter Ex-Junior zum FCB. Der 30-jährige Robin Kamber wechselte vom BSC Old Boys zum FC Basel.
Spielintelligenz soll auch abseits des Platzes helfen
Parallel zu seiner Führungsrolle auf dem Platz hat Marchand ein Projekt abseits des Spielfelds in Angriff genommen, jedoch in unmittelbarer Nähe davon. Er befindet sich seit diesem Sommer in der Ausbildung zum Trainer. «Das C-Diplom habe ich, im nächsten Sommer folgt dann der nächste Kurs. Nach diesem muss zwingend eine Tätigkeit als Cheftrainer folgen, um überhaupt weitermachen zu können. Ich schaue bereits jetzt gewisse Aspekte auf dem Spielfeld oder innerhalb der Mannschaft aus einem anderen Blickwinkel an», führt er aus.
Ziele für seine Karriere an der Seitenlinie hat der 26-Jährige noch nicht, seinen Wunschverein jedoch mit dem FCB schon gefunden. «Konkrete Pläne für meine Trainerkarriere gibt es noch nicht. In Rapperswil konnte ich bereits als Assistenztrainer der U12 erste Einblicke in die Tätigkeit gewinnen. Bis jetzt bereitet es mir grosse Freude», erklärt Marchand.
Aber auch auf dem Rasen konnte Yannick Marchand beim FC Rapperswil-Jona Erfolge feiern. In seiner ersten Spielzeit 2024/25 am Obersee gewann er mit seinem Team sogleich die Promotion League. Die Rosenstädter stiegen dadurch zum zweiten Mal in die Challenge League auf und erreichten in der Folgesaison den sechsten Schlussrang mit 44 Zählern aus 36 Partien.
Der Erfolg des FCRJ freute sicherlich auch den Minderheitsaktionär Xherdan Shaqiri, der im Januar 2025 dort einstieg. Auf die operativen Prozesse in Rapperswil habe er jedoch keinen Einfluss. Auch beim Transfer Marchands im Sommer 2024 hat der 35-Jährige keine Rolle gespielt. «Er kam zwar regelmässig an unsere Heimspiele, hatte in Basel jedoch genug zu tun», fügt Marchand mit einem Schmunzeln an.
Vom «nächsten Xavi» zum Neustart beim FC Basel
Einst hatte Marchand einen Marktwert von einer Million Euro, das war am 23. Juni 2021. Daraufhin wurde er beim FCB unter Trainer Alex Frei nicht mehr eingesetzt, und sein Vertrag wurde im gegenseitigen Einvernehmen aufgelöst. «Ich konnte damals keine Spielpraxis mehr sammeln, für mich war dieser Schritt die beste Lösung, weil ich in Basel gar nicht mehr zum Zug kam», ergänzt der 26-Jährige.
Auf die Frage, ob er während seiner Tätigkeiten ausserhalb von Basel etwas vermisste, antwortet Marchand: «Das Umfeld ist sicher das, was mir während meiner Zeit bei GC oder auch in Rapperswil am meisten gefehlt hat. Aber auch die ganze Infrastruktur, wie die Trainingsplätze, sind beim FCB top.»
Nach seiner Rückkehr zum FC Basel sollen die Parteien im Winter nochmals zusammensitzen und seine Zukunft planen. Wenn alles wunschgemäss klappt, soll neben den Beschäftigungen als Fussballer und Trainer noch etwas Drittes folgen: «Ich werde mich auf dem Arbeitsmarkt umsehen und bewerben. Ein Pensum zwischen 40 und 50 Prozent liegt drin», sagt der WMS-Absolvent.
Unter Marcel Koller stand Marchand im Jahr 2020 noch in der Startelf im Cupfinale, das gegen YB mit 1:2 verloren ging. Zum «nächsten Xavi», wie er einst von Sportchef Marco Streller bezeichnet worden ist, wird es Marchand auf dem Spielfeld wohl nicht mehr schaffen. Jedoch kam dieser Xavi nach seiner Karriere als Fussballer auch zu einer Tätigkeit bei einem FCB, dem FC Barcelona: Er stand an dessen Seitenlinie.