bz Basel vom 13.05.2026
Ein Rückblick auf die Karriere von Marwin Hitz, welcher sich mit einem aussergewöhnlichen Leistungsnachweis nach 18 Jahren verabschiedet.
Niels Sörensen
Hitz bei einem seiner 13 Ligaeinsätze mit Wolfsburg. Bild: Imago
Marwin Hitz wird am Donnerstag im Joggeli vor dem Spiel gegen St. Gallen (16.30 Uhr) offiziell verabschiedet, bevor am Sonntag in Lugano das letzte Spiel seiner Karriere ansteht. Kommt der 38-Jährige gegen St.?Gallen und in Lugano zum Einsatz, würde Hitz beim letzten Super-League-Spiel im in die Jahre gekommenen Stadio di Cornaredo in einem Pflichtspiel zum 170. Mal für den FC Basel das Tor hüten. Die Tendenz dafür ist nach zuletzt zwei verletzungsbedingt verpassten Spielen positiv. Damit würde er zu Yann Sommer aufschliessen und sich in der ewigen Basler Rekordtorhüter-Liste auf Rang sieben einreihen – nur Franco Costanzo und Pascal Zuberbühler kämen dann in diesem Jahrtausend auf noch mehr Einsätze.
Für keinen Verein hat Hitz in seinen 18 Jahren als Profi mehr Spiele absolviert als für den FCB. Dazu kommen unter anderem 181 Bundesliga-Einsätze für Augsburg und Dortmund sowie insgesamt 46 Spiele auf europäischem Parkett. Das sind beeindruckende Zahlen – umso mehr, wenn man auf die Anlaufschwierigkeiten von Hitz zu Beginn seiner Karriere zurückschaut.
Der harzige Start in St. Gallen
In St. Gallen, wo Hitz alle Nachwuchsstufen durchlief, wurde der Ostschweizer einst gewogen und für zu leicht befunden. Zu einem Einsatz im Fanion-team kam er nie. Auch die jeweils sechsmonatigen Leihen in die Challenge League zu Yverdon und Winterthur brachten nicht den erwünschten Schub.
Mit 21 wagte Hitz deshalb im Spätsommer 2008 ohne einen einzigen Super-League-Einsatz den Schritt ins Ausland zum VfL Wolfsburg. «Für mich war es sportlich gesehen die Rettung. In der Schweiz bin ich immer wieder angestanden, kam nicht richtig weiter, hatte schwierige Phasen. Ich habe mir sogar mehrmals überlegt, aufzuhören», erzählte Hitz später bei «Blue».
In der VW-Stadt war der 1,94 Meter grosse Torhüter in der Saison 2008/09 zwar Teil der überraschenden Meistermannschaft, stand dabei aber nur zweimal im Spieltagskader und kam nur bei der Reserve in der Regionalliga zum Einsatz. Zwischen Vertragsunterschrift und Debüt bei den Profis vergingen 536 Tage. An Landsmann Diego Benaglio kam Hitz nie vorbei, konnte jedoch das Interesse von Augsburg wecken und wechselte 2013 in die drittgrösste Stadt Bayerns.
Torhüter-Tor und Ersatzbank in der Nati
Dort eroberte sich Hitz innert weniger Wochen den Stammplatz von Alexander Manninger, welcher im April 2026 tödlich verunfallte. Damit war Hitz mit 26 Jahren erstmals in seiner Profikarriere die Nummer eins. Die Saison 2014/15 beendeten Hitz und seine Kollegen auf dem fünften Rang – historischer Bestwert für Augsburg – und qualifizierten sich für die Europa League. Mit seinem unvergessenen Tor zum 2:2-Ausgleich gegen Leverkusen in der Nachspielzeit des 22.?Spieltages hatte Hitz nicht nur defensiv seinen Anteil an diesem Erfolg.
In der Nationalmannschaft hatte Hitz das Pech, dass die Schweiz in der jüngeren Vergangenheit mit überdurchschnittlich vielen Top-Torhütern gesegnet war und Yann Sommer Hitz und allen anderen vor der Sonne stand. Zwischen 2014 und 2018 war Hitz fester Bestandteil des Nati-Aufgebots, kam dabei aber nur auf zwei Einsätze. Dass er dabei sowohl in der EM-Quali in Estland (1:0) und im Test gegen Lichtenstein (3:0) ohne Gegentreffer blieb, war nur ein schwacher Trost. Vor der WM 2018 in Russland verzichtete der Rechtsfuss auf das Aufgebot von Vladimir Petkovic und war in der Folge nicht mehr Teil der Nati.
Königsklasse und ein verpasster Pokalfinal
Die Auftritte auf der ganz grossen Bühne blieben Hitz aber dennoch nicht verwehrt. Nach fünf Jahren in Augsburg wechselte er 2018 zu Borussia Dortmund, wo er sich mit Roman Bürki um den Platz im Tor duellierte und regelmässig zu Einsätzen kam. In der Saison 2020/21 war Marwin Hitz, der sich bereits während der Karriere im Immobiliengeschäft ein zusätzliches Standbein aufbaute, dann für ein halbes Jahr Stammtorhüter, erreichte den Viertelfinal in der Champions League und den DFB-Pokalfinal (4:1-Sieg gegen Leipzig), den er jedoch verletzt verpasste.
2022 folgte der Wechsel nach Basel. Nach anfänglichen Schwierigkeiten – für die Verpflichtung von Hitz wurde der bei den Fans äusserst populäre damalige Torhüter Heinz Lindner abserviert – machte er sich auch beim Publikum beliebt.
In den vergangenen vier Jahren war Hitz ein sicherer Rückhalt für Rotblau – in gut einem Viertel seiner Spiele blieb er ohne Gegentor. Mit dem FC Basel erlebte Hitz die Horrorsaison 2023/24, erreichte als Penaltykiller (in den Elfmeterschiessen gegen Bröndby und Bratislava treffen nur zwei gegnerische Schützen) aber auch den Halbfinal der Conference League und durfte vor einem Jahr mit dem Double seine ersten beiden Titel feiern, an denen er massgeblich beteiligt war.
Zukünftig mehr Zeit für die Familie
Nachdem Hitz im vergangenen Frühjahr seinen auslaufenden Vertrag nach Rücksprache mit seinen Kindern noch einmal um eine Saison verlängert hatte, zeichnete sich spätestens im Winter das Karriereende auf Ende der Saison ab. Hitz agierte weniger sicher als auch schon und fiel vermehrt mit kleineren Blessuren, wie zuletzt gegen Thun und YB, aus. Auch auf mehr Zeit mit der Familie wollte der dreifache Vater nicht länger verzichten.
Dennoch gehörte Hitz in seiner letzten Saison mit einer Abwehrquote von 74 Prozent zu den besten Torhütern der Super League. Als erfahrener Spieler war er zudem wichtig für die Garderobe und rettete dem FCB immer wieder Punkte – nach seiner sehr starken Leistung gegen Stuttgart wurde Hitz vom damaligen Trainer Ludovic Magnin gar als «Jesus» betitelt.
Mit dem Abgang von Hitz endet eine bemerkenswerte Karriere nach 18 Jahren und öffnet sich im Basler Tor eine Lücke, die nicht einfach zu schliessen sein wird. Nach Yann Sommers Absage ist der FCB noch immer auf der Suche – und hat er mit Jonas Omlin primär noch einen grossen Namen im Visier.