Presseschau

Basler Zeitung vom 14.09.2018

FCB verlängert mit Serey Die

Für immer Rotblau?

Von Oliver Gut

Basel. Im Communiqué liest es sich trocken. Der FC Basel hat den Vertrag mit Geoffroy Serey Die vorzeitig bis Ende Juni 2020 verlängert. Dazu wird noch der Leistungsausweis des ivorischen Internationalen sorgfältig aufgelistet. Und damit hat es sich auch schon.

Was die Gründe für diese Vertragsverlängerung sind, würde allerdings interessieren. Denn Geoffroy Serey Die ist nicht irgendein Spieler. Sondern er ist mit seinen 33 Jahren der älteste Profi im Kader, der mit seinem Standing der hohen Salärklasse zugeordnet werden muss. Ein Spieler zwar, der zuletzt regelmässig in der Startelf auftauchte. Ein Spieler aber auch, der seit seiner Rückkehr vor zwei Jahren mehrheitlich nicht erste Wahl war, dafür aber immer wieder von Verletzungen oder Krankheiten gestoppt wurde: Insgesamt fiel Serey Die acht Mal aus, verpasste deswegen 14 Pflichtspiele. Nicht hinzugerechnet sind da jene Partien ganz zu Beginn, als er nach einer langen Rekonvaleszenz infolge eines Sehnenrisses noch nicht matchfit war.

«Für immer Rotblau» heisst das Konzept, mit dem Bernhard Burgener im Sommer 2017 den FC Basel übernahm. Und auch wenn ein ewiger Serey Die mit einem Schuss Humor ganz gut zu diesen Schlagworten passt, so kommt man nicht umhin, in dieser Vertragsverlängerung einen Widerspruch zu erkennen. Schliesslich hiess es stets, das Kader solle verbilligt, verschlankt, verjüngt und verbaslert werden.

Zutaten, an denen es mangelt

Dass es auch ein Korsett an Routiniers benötigt, das die jüngeren Spieler führt, versteht sich zwar. Allerdings ist gerade in Serey Dies Wirkungsbereich schon ein gerüttelt Mass an Routine vorhanden. Fabian Frei (29), Luca Zuffi (28) und Taulant Xhaka (27) sind im zentralen Mittelfeld feste Grössen. Und mit Sorgenfall Zdravko Kuzmanovic (30) steht ein vierter erfahrener Mann auf Kaderliste und Payroll. Keiner von ihnen scheint auf dem Absprung.

Also muss es andere Gründe geben, warum man weiter mit Serey Die plant. Und wenn man sich vor Augen hält, welchen Spielertypus er verkörpert, wird man auch fündig: Geoffroy Serey Die vereint viel von dem auf sich, woran es dem aktuellen FCB-Kader insgesamt mangelt. Er ist ein physischer Spieler, der den Zugang zu einer Partie immer über den Einsatz, den Kampf findet. Er setzt damit auch Zeichen. Und er ist alles andere als ein Mauerblümchen: Ob im Match oder im Training – Serey Die hört man. Vielleicht auch, weil er gerade einem die Meinung geigt, ganz egal, ob er sich damit Freunde macht.

Kurz: Serey Die ist ein Spieler mit Leidenschaft und Leaderqualitäten, der ab und zu auch dafür sorgt, dass nicht zu viel Ruhe und Harmonie herrscht. Es sind diese Zutaten, von denen sie beim FC Basel inzwischen auch glauben, dass sie nicht zuviel davon haben. Und von denen sie denken, dass sie Serey Die auch bis 2020 wird beisteuern können.

Sie wurden höher gewichtet als das Alter und die damit verbundenen Fragen nach Leistungsentwicklung und Verletzungsanfälligkeit. Ob zu Recht, wird im Falle des Publikumslieblings von besonderem Interesse sein.


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